Ist Inflation gut oder schlecht für meinen Kredit?

Aktuell ist das Thema Inflation sehr präsent in den Medien. In Deutschland steigt die Inflationsrate im September 2021 auf +4,1%. So hohe Inflationsraten gab es zuletzt im Dezember 1993. Doch wirkt sich die hohe Inflation auf Ihren Kredit aus?

Die Inflation beschreibt den Wertverlust des Geldes innerhalb eines Jahres. Eine Inflationsrate von aktuell +4,1% bedeutet, dass unser Geld im Vergleich zum Vorjahr im September jetzt 4,1% weniger Wert ist.

Beispiel:
Für Ihren Einkauf im September 2020 haben Sie hundert Euro bezahlt, für exakt den gleichen Einkauf ein Jahr später müssen Sie 104,10 Euro zahlen. Vereinfacht gesagt, können Sie für hundert Euro nicht mehr so viel kaufen wie vor einem Jahr.

Nominal haben Sie weiter 100,- Euro, real gesehen sind die 100,- Euro aber bei einer Inflationsrate von 4,1% nur noch 95,90 Euro wert. In den letzten Jahren gab es eine Inflation von ca. 1,5-2,5%. Um die jährlich sinkende Kaufkraft auszugleichen, steigen entsprechend die Löhne in den meisten Branchen regelmäßig an.

Wie wirkt eine hohe Inflation auf Kredite?

Grundsätzlich ist eine Inflation in der Theorie gut für Kreditnehmer. Bei einer Kreditaufnahme vereinbart der Kreditnehmer einen festen Zins, der sich auch bei Inflation nicht ändert. Ist die Inflationsrate höher als der Kreditzins, so erleidet die Bank ein Verlustgeschäft. Das Geld, was sie verliehen hat, ist inkl. Zinszahlungen am Ende der Laufzeit real weniger Wert als bei der Kreditvergabe. Ein Beispiel:

Sie nehmen aktuell einen 20.000,- Euro Autokredit für 5 Jahre zu einem durchschnittlichen Zins von 2,99% effektiv (siehe Kreditrechner). Diesen Zinssatz erhalten aktuell (Stand Oktober 2021) 2/3 aller Kunden bei der Postbank. Die aktuelle Inflationsrate beträgt 4,1%. Der Realzins, den die Bank jetzt für Ihren Kredit erhält liegt bei – 1,11%. Durch den Kaufkraftverlust der Schulden, müssen Kreditnehmer weniger „reale“ Schulden zurückzahlen, da der 20.000,- Euro Kredit in den nächsten Jahren real deutlich weniger wert ist.

Ist es so einfach?

In der Theorie ist es recht eindeutig und einfach. In der Praxis sieht es etwas komplizierter aus. Man geht davon aus, dass die Löhne und Gehälter im Schnitt mit der Inflationsrate wachsen. Damit hat das Geld real annähernd den gleichen Gegenwert. Kommen wir zu unserem Autokredit zurück und nehmen an, der Kreditnehmer hat monatlich 2.000,- Euro netto zur Verfügung.

Die monatliche Kreditrate beträgt aktuell ca. 341,- Euro für den Autokredit und ist für die gesamte Laufzeit fix. Würde das reale Einkommen mit der Inflationsrate steigen, hätte der Kreditnehmer nominal gesehen am Monatsende mehr Geld übrig (vereinfacht: 2.000,- x 1,041 = 2082,- Euro).  Dadurch würde sich seine monatliche Belastung etwas senken. Dies funktioniert in der Regel aber nur in der Theorie.

Gibt es höhere Inflationsraten, steigen die Einkommen meistens nicht im gleichen Tempo, daher funktioniert das Ganze in der Beispiel bei Konsumkrediten nur bedingt. ABER: Da alle materiellen Waren im Preis steigen, ist der Wertverlust bei einem Auto nominal nicht so hoch wie bei einer niedrigen Inflationsrate.

Hohe Inflationsrate gut bei Immobilienkrediten?

Ja! Hier gibt es häufig deutlich längere Zinsbindungen und Immobilien sind als materielle Güter ein guter Inflationsschutz. Als Kreditnehmer profitieren Sie von fixen Kreditraten, unabhängig von der Inflation. Zudem steigen die Immobilienpreise überdurchschnittlich bei einer höheren Inflation.

Wer die Immobilie als Kapitalanlage vermietet, kann über eine Indexmiete entsprechend die Miete jährlich anpassen. Hierzu orientiert man sich am Verbraucherpreisindex.

Quelle: destatis.de