Steigen die Zinsen für Kredite jetzt wieder?

Kreditzinsen könnten weiter steigen

Künftig könnten Zinsen für Baukredite wieder ansteigen. Darauf deuten vermehrte Inflationsanzeichen sowie die angezogene Rendite für Staatsanleihen hin. Eine Verdopplung der Zinsen wäre bei steigender Inflation möglich. Mit einem Forward-Darlehen können sich Bauherren und Immobilienkäufer günstige Zinsen für die Anschlussfinanzierung sichern.

Zeichen für eine Trendwende bei Bauzinsen

Der deutsche Immobilienmarkt ist aktuell durch niedrige Zinsen für Bau- und Immobilienkredite sowie hohe Kaufpreise geprägt. Während der Corona-Pandemie hat sich daran nichts geändert. Vermehrte Inflationsanzeichen und angezogene Renditen für Staatsanleihen könnten auf eine baldige Trendwende hindeuten.

Max Herbst, Immobilienexperte der FMH Finanzberatung in Frankfurt, spricht davon, dass aufgrund der Inflationsentwicklung und der Corona-Lage eine Zinsentwicklung für die Baufinanzierung nur schwer vorherzusagen ist. Bei steigender Inflation könnten sich die Zinsen zu Jahresbeginn auf 1,25 Prozent verdoppeln, wie Herbst für möglich hält. Das wäre der höchste Stand seit Februar 2019. Die Bauzinsen sind mit der Entwicklung von Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren verbunden, die sich lange auf Rekordtiefständen befanden. Die Rendite lag zuletzt mit minus 0,26 Prozent so hoch wie seit Juni 2020 nicht mehr.

Anstieg von Bauzinsen möglich

Neben Herbst rechnen auch andere Experten mit einem leichten Anstieg der Bauzinsen. Bereits ein geringer Zinsanstieg kann sich beim Immobilienkauf bemerkbar machen.

Für einen Kredit mit 500.000 Euro und 0,8 Prozent Zinsen liegt die jährliche Zinsschuld bei 4.000 Euro. Die jährliche Zinsschuld steigt bei einem Zinssatz von 1,3 Prozent auf 6.500 Euro an. Bei einer Laufzeit von zehn Jahren ergibt sich daraus eine Differenz von 25.000 Euro für den Kreditnehmer.

Würden die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft weiter anhalten, rechnet Herbst nur mit unwesentlichen Schwankungen des Bauzinses von 0,25 Prozent nach oben oder nach unten. Das hätte auch einen anderen Einfluss auf den Markt. Um das Risiko von Zahlungsausfällen zu reduzieren, könnten die Banken eine höhere Eigenkapitalquote fordern und Antragsteller mit sicheren Jobs bei der Vergabe bevorzugen.

Zinsniveau könnte weiterhin günstig bleiben

Die Vorständin des Privatgeschäfts von Interhyp, Mirjam Mohr, geht trotz eines möglichen leichten Zinsanstiegs weiterhin von einem günstigen Zinsniveau aus. Fachleute schließen einen Anstieg der Darlehenszinsen auf zwei Prozent aus. Aufgrund der wirtschaftlich schwachen Lage in Europa ist nicht mit einem Anstieg des Leitzinses der Europäischen Zentralbank zu rechnen. Bei Bauzinsen wird kein starker Anstieg vermutet, weshalb für den Immobilienkauf keine Eile besteht.

Zinsgarantie sichern mit Forward-Darlehen

Potentielle Käufer oder Bauherren, aber auch diejenigen, die bereits ein Immobiliendarlehen haben und nach einer Anschlussfinanzierung suchen, können sich mit einem Forward-Darlehen günstige Zinsen sichern. Für die Anschlussfinanzierung werden die aktuell geltenden Zinsen garantiert. Gegenwärtig befindet sich auch der Forward-Aufschlag auf einem Rekordtief. Er wird umso höher, je größer der Zeitraum zwischen der Gewährung des Forward-Darlehens und der tatsächlichen Finanzierung ist.

Persönliche Belastungsgrenze beim Immobilienkauf beachten

Potentielle Käufer von Immobilien sollten in jedem Fall ihre persönlichen Belastungsgrenzen berücksichtigen, unabhängig davon, wie sich die Bauzinsen entwickeln. Ein finanzieller Spielraum bietet mehr Sicherheit und Flexibilität. Im Vertrag sollte vereinbart werden, dass eine Anpassung der Zinsbindung an sich möglicherweise verändernde Lebensumstände vorgenommen werden kann. Ihre Verhandlungsposition stärken können potentielle Käufer, wenn sie auch Angebote von der Konkurrenz einholen. Wer sich vor anderen Interessenten einen Vorsprung auf dem Immobilienmarkt sichern will, sollte frühzeitig den Kreditrahmen mit der Bank absprechen und eine Finanzierungszusage einholen.

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